Im Februar: Mit Brecht in Somalia. Und im März: Mit Stella Bettermann nach Griechenland.

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Autorin und Gitarrist trafen auf ein interessiertes Publikum / Foto: B. Böhnisch

Interessante und musikalisch begleitete Lesung mit „Auf See“ im Februar
Am 18. Februar waren die Journalistin und Autorin Michaela Maria Müller und Markus von Schwerin, Synchronsprecher und Musiker, zu Gast im gut besetzten Spiegelsaal in Wilster. Trotz einer Grippewelle, die auch Wilster erreicht hatte, waren über 50 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer ins Neue Rathaus gekommen, um die Lebens-, Leidens- und Fluchtgeschichte von Ayan und Samir, einem jungen Paar aus Somalia, aus dem Buch „Auf See“ zu verfolgen.

Michaela Maria Müller und Markus von Schwerin gestalteten den Abend interessant und abwechslungsreich, indem auf jeden Leseabschnitt der Autorin ein von der Gitarre begleitetes Musikstück folgte, wie beispielsweise  Georg Kreislers „Das Wort des Verlassens“ oder das Stück „Entdeckung einer jungen Frau“, nach dem Text von Bert Brecht. Zu hören waren auch  „Das Lied von den Murmeln“ von Max Ophüls und die „Eisblumen“ von Hildegard Knef. Sein musikalisches Begleitprogramm beschloss Markus von Schwerin mit dem Lied „Wer will unter die Piraten?“ von Stephan Sulke, einer Frage, die sich aus der Lebensgeschichte der somalischen „Hauptdarsteller“ ergab.

Müller ging in ihrer Lesung auf die Ursachen von Flucht und Vertreibung am Beispiel von Somalia ein, dem Land, das Samir und Ayan hinter sich ließen. Zur Sprache kam auch der Einfluss deutscher Politik auf das afrikanische Land. Müller erinnerte u.a. an die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahr 1977 und deren spektakuläre Befreiung durch die GSG9 in Mogadischu. Sie erläuterte die sich daraus ergebenden Verquickungen von Waffenhandel und Entwicklungshilfe. Somalia befand sich damals in einem kriegerischen Konflikt mit Äthiopien. Wie sein Nachbarland, bezog Somalia seine Waffen aus der Sowjetunion. Um die Auseinandersetzung zu gewinnen, war Somalia an einer Annäherung an den Westen und an Waffenlieferungen interessiert, die bis zur Landshut-Entführung jedoch abgelehnt worden waren. Somalia galt als palästinenserfreundlich, möglicherweise ein Grund für die Entführer, nach mehreren Landeverboten in anderen Staaten Mogadischu anzufliegen. Somalias damaliger Präsident wurde über die Nationalität der Entführer getäuscht und in dem Glauben gelassen, es handele sich um drei Deutsche und einen Palästinenser. Ferner wurde ihm die Lieferung von Waffen in Aussicht gestellt. Daraufhin stimmte er einer „Joint Operation“, also einer gemeinsamen Befreiungsaktion, zu. (Quelle: Wikipedia)

Einmal mehr dürften Lebenswege wie der von Ayan und Samir ins Bewusstsein rufen, wie hoffnungslos und ohne jede Perspektive sich Menschen fühlen müssen, um – wie dieses Paar – alles hinter sich gelassen und den eigenen, möglichen Tod in Kauf genommen zu haben. Die Flucht vor Krieg und Folter, Verfolgung und Tod, die Flucht vor Armut, Hunger und Not, sie ist immer ein Akt der Verzweiflung. Und niemals ein Schritt, den Menschen leichtfertig und aus einer Laune heraus wagen. Buch und Lesung zeigen auch einmal mehr, worin die Verantwortung Europas liegt – auf der einen Seite für die Ursachen und auf der anderen für die Hilfe gegenüber den Menschen, um die es geht – den Geflüchteten.In ihrem nächsten Buch wird sich Müller mit ihrer Heimatstadt Dachau in Oberbayern befassen.
Sie wird sich jedoch weiterhin für Afrika engagieren und blickt recht hoffnungsvoll auf Somalia. 2016 wurde dort ein neues Parlament gewählt, Mohamed Abdullahi Farmajo wurde als Präsident gewählt und Tausende Menschen zogen jubelnd durch Mogadischus Straßen, um seinen Sieg zu feiern.

Zur März-Lesung geht es nach Griechenland
„Wie ich in Deutschland meine griechischen Wurzeln fand“, zu dieser Erkenntnis kommt die Halbgriechin Stella Bettermann in ihrem Buch „Ich mach Party mit Sirtaki“. Bettermanns Familiengeschichte spielt zu einem Teil in Griechenland, das die in München geborene und aufgewachsene Mutter von zwei Kindern lediglich aus ihren Urlauben während der Sommerferien beim griechischen Teil ihrer Familie kennt.

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Liest am 18. März in Wilster: Stella Bettermann, Halbgriechin, Mutter und Bestsellerautorin aus München / Foto: Privat

„Oooopa! Und dann zwei Schlenker rechts. Oder links? Im griechischen Tanzkurs mitten in München tritt Halb-Hellenin Stella Bettermann erstmal allen auf die Füße: Denn Mikis, Adonis, Popi und die anderen Exil-Griechen im Kurs können schon tanzen wie Sorbas, der Grieche. Weil griechische Gastfreundschaft auch in München gilt, nehmen sie die Neue trotzdem auf, und nach dem Sirtaki gibts Souvlaki. Oder es geht im Münchner „Piergarten“ bei ein paar „Chellen“ um Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Kulturen, um Sex, Liebe, Krise(n), Geld und das Leben an sich. Doch erst beim Tanzfest auf einer griechischen Insel wird sich beweisen, ob Stella nicht nur griechisch fühlt, sondern schon so gut wie die Einheimischen tanzt!“, heißt es im „Klappentext“ zum E-Book bei lovelybooks.

„Griechische Begegnung“ – so lautet der Titel von Bettermanns aktuellem Buch, einem Krimi aus einer Reihe rund um den Ermittler Nick Zakos, erschienen bei ullstein buchverlage.
„Nick Zakos ist genervt vom Münchner Winter ― der Frühling will in diesem Jahr einfach nicht kommen. Außerdem hat er mal wieder Beziehungsprobleme ― und dass er versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, verbessert seine Laune nicht gerade. Da kommt ein verzwickter Fall auf seinen Tisch: Eine Grafikerin wird ermordet, und bald gerät ein afrikanischer Flüchtling ins Visier der Ermittlungen. Der allerdings wurde aus Deutschland abgeschoben und befindet sich nun in Griechenland. Prompt bekommt Zakos seinen Frühling: Der Kommissar reist dem Verdächtigen ins strahlende Athen hinterher und trifft auf seine Kollegin Fani sowie auf eine Menge hochkomplizierter Verwicklungen …“, verspricht der Klappentext. images

Aus beiden Büchern wird Spiegel-Bestsellerautorin und Journalistin Stella Bettermann am Samstag, dem 18. März, zur gewohnten Uhrzeit um 19:30 Uhr im Neuen Rathaus lesen. Bitte melden Sie sich zur Lesung an unter Telefon 04823/921336.

Die Veranstaltung ist – wie gewohnt – kostenlos, der Verein Leselust e.V. und die Stadtbücherei Wilster freuen sich im Anschluss an die Lesung auf Ihre Spende. / text: heike pohl

 

 

 

 

 

 

 

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