Im Mai: Über Tussilago farfara, Botanik-Safaris und den Mann, der jede Pflanze kennt. Im April: Mit der Comet von Blankenese aus auf hohe See.

Unkraut ist für ihn ein Unwort – Jürgen Feder liebt auch Löwenzahn.

Im Mai
Das Präfix „Extrem“ kennt man ja sonst eher aus dem Bereich Sport, wo Leute mit Haien tauchen gehen, in aktiven Vulkanen ideale Skipisten sehen oder in Höhlen einsteigen, um die selbst Ariadne einen weiten Bogen geschlagen hätte. Dass Menschen auch in ganz anderen und eher ungefährlichen Lebensbereichen an ihre Grenzen und damit ins Extrem gehen, zeigt Jürgen Feder, der sich selbst als Extrembotaniker bezeichnet.

Der quirlige Diplom-Ingenieur für Landespflege, Flora und Vegetationskunde ist einer der bekanntesten Botanik-Experten Deutschlands und wenn er nicht auf Wegen, an Straßenrändern, Autobahnparkplätzen, Gleis- oder Kaianlagen nach außergewöhnlichen Pflanzen sucht, dann hält er Seminare, ist unterwegs als Referent oder schreibt für rowohlt Bücher, die ihn und seine grünen Freunde in die Bestsellerlisten katapultieren.

Ob das Essen, wie Feder auf dem Titel seines im März erschienen Buch „Feders kleine Kräuterkunde“ behauptet, tatsächlich auch bei uns in der Wilstermarsch auf der Straße liegt, das wird er gemeinsam mit seinem Publikum am 18. Mai 2017 in zwei Führungen durch die Marschenstadt herausfinden. Einmal um 16 und einmal um 18 Uhr treffen sich Garten- und Naturfreunde und solche die es werden wollen am Neuen Rathaus in Wilster, um unter der Führung von Jürgen Feder auf Exkursion zu gehen. In den jeweils etwa ein- bis eineinhalbstündigen Führungen – auch bekannt als „Botanik-Safaris“ – macht der gebürtige Flensburger auf Pflanzen aufmerksam, an denen die meisten von uns vermutlich einfach achtlos vorübergehen werden. Feder lebt für sein Thema, und seine Begeisterung und Faszination für Natur und Landschaft sind deutlich spürbar, hoch ansteckend und reißen sein Publikum mit. Unkraut ist für ihn ein Unwort, mit Gärtnern streitet sich Feder gern und oft und Rasenmäher gehören für ihn in die Garage. Die schönsten Wildpflanzen, verrät er im Spontanquiz auf seinem Blog, wachsen auf städtischem Boden in München, und um eine seltene Pflanze zu entdecken, würde Feder auch schon mal locker 100 Kilometer mit dem Rad zurücklegen.

Wenn Sie gern wissen möchten, wer oder was der Tussilago farfara ist oder was das Klettenlabkraut mit Donald Trump gemein hat, dann melden Sie sich doch einfach zur Botanik-Safari an. Die beiden Exkursionen finden um 16 und um 18 Uhr statt, die Lesung und Diskussionsrunde beginnt dann – wie gewohnt – um 19:30 Uhr im Spiegelsaal des Neuen Rathauses. Mehr über Jürgen Feder erfahren Sie auf seiner Internetseite unter https://www.juergen-feder.de und auch bei Facebook ist Feder zu finden.

Im April
war Ronald Holst zu Gast in Wilster. Der Hamburger Geschichtenerzähler kam nicht allein, sondern in Begleitung seiner Frau Maike, von Karin Lange vom Jarchow-Media Verlag und last but not least von Peter Kühn, dem Mann, der für ihn mit routinierter Stimme aus seinen Geschichten vorliest. Vor etwa 55 Gästen erzählte Ronald Holst von seinen umfangreichen Recherchen, davon, dass er etliche Logbücher gelesen und sich intensiv mit Geschichte befasst habe. Blankenese sei, berichtete er, früher ein kleiner Vorort von Hamburg gewesen, und die meisten Männer seien zur See gefahren. Die Zahlen scheinen aus heutiger Sicht unglaublich – weit über die Hälfte der Schiffe und fast die Hälfte der Männer kehrten nicht wieder zurück, sondern blieben auf hoher See. Trotz des großen Risikos für Mann und Maus, erzählte Holst, hätten die guten Verdienstmöglichkeiten und die Aussicht, an Bord etwas aus sich machen zu können, so viele Männer in die Ferne und oft genug auch in den Tod gelockt.
Während die Männer auf große Reise fuhren, blieben Frauen und Kinder zurück und warteten nicht selten zwischen drei und sieben Jahren auf die Rückkehr ihrer Liebsten und damit auch auf das nötige Geld zur Versorgung der Familien.

Von links: Maike und Ronald Holst, Peter Kühn und Karin lange (Jarchow-Media Verlag) / Foto: B. Böhnisch

Im Anschluss an den geschichtlichen Exkurs las Peter Kühn aus „Tot geglaubt“, dem Roman von Ronald Holst, der die Geschichte des jungen Viet erzählt.
Viet  ist 14 Jahre alt und heuert als Schiffsjunge an. 1862 legt die Bark COMET aus Blankenese mit ihm an Bord zu seiner ersten Reise ab und steuert durch den Englischen Kanal und den Atlantik gen Südamerika. Die professionell inszenierte Lesung kam beim Publikum gut an und Kühn ließ das Ende natürlich offen – wo bliebe sonst die Spannung beim Leser. Im Anschluss las Kühn noch einige Passagen aus dem Folgeroman rund um Viet, der ist inzwischen Steuermann und sein Schiff befördert anstelle von Waren Auswanderer. /Heike Pohl, www.heikepohl.com

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