„Mein Vater, der verhasste Held“ – vom Widerstand gegen Hitler

Georg Alexander Hansen | Foto: Berliner Gesellschaft

Georg Alexander Hansen, geboren am 5. Juli 1904 in Sonnefeld bei Coburg, war Oberst im Generalstab der deutschen Wehrmacht und gehört aufgrund seiner Beteiligung am Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 zu den deutschen Widerstandskämpfern. Hansen war zur selben Zeit zur Ausbildung auf der Kriegsakademie in Berlin, wie Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dessen Name wie kein anderer für den Widerstand gegen das Nazi-Regime steht.

Hansen war eines der wichtigsten Verbindungsglieder innerhalb der Widerstandsgruppe um Generalmajor Henning von Tresckow und Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Ab 1943 wirkte Hansen an allen Planungen für das Hitlerattentat mit und nahm 1944 an den meisten wichtigen Besprechungen zur Vorbereitung teil. Hansen organisierte Autos und Flugzeuge sowie den Schutz der Mitverschwörer. Sein Haus in Rangsdorf diente öfters als konspirativer Treffpunkt. Nach dem erfolgreichen Attentat sollte er das RSHA besetzen und dessen SS-Kommandeure festnehmen lassen. Außerdem war geplant, ihn als Bevollmächtigten Becks, der als vorläufiges Staatsoberhaupt vorgesehen war, mit General Dwight D. Eisenhower über einen Separatfrieden mit den Westmächten verhandeln zu lassen. Aufgrund starker Meinungsverschiedenheiten mit Stauffenberg über die politischen Pläne nach dem Attentat entschied sich Hansen kurzfristig gegen eine persönliche Teilnahme und fuhr am 18. Juli zur Taufe seiner jüngsten Tochter nach Michelau. Obwohl er bereits am 20. Juli 1944 wusste, dass Hitler das Attentat überlebt hatte und dass der Umsturzversuch gescheitert war, kehrte er am 21. Juli mit der Begründung gegenüber seiner Frau „Mein Platz ist in Berlin“ auch dorthin zurück.
Am 22. Juli bestellte ihn der Gestapo-Chef Heinrich Müller in das RSHA und verhaftete ihn nach längeren Verhören, in denen dieser zusammengebrochen war und alles gestanden hatte.

Am 4. August folgte durch den zwei Tage zuvor gebildeten Ehrenhof die unehrenhafte Ausstoßung der Wehrmachtsangehörigen die sich am Putschversuch beteiligt hatten aus der Wehrmacht, so dass damit das Reichskriegsgericht für die Aburteilung nicht mehr zuständig war.

An einem Prozesstag, dem 10. August 1944, wurde Hansen wie auch Erich FellgiebelAlfred KranzfelderFritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Berthold Schenk Graf von Stauffenberg im zweiten Schauprozess[2] vom Volksgerichtshof unter dessen Präsidenten Roland Freisler zum Tode verurteilt. Er wurde nicht wie die meisten Verurteilten im ersten und den nachfolgenden Prozessen noch am Tag des Urteils zu Tode gebracht, sondern weiter in Haft gehalten und verhört. Die Gestapo beabsichtigte durch erneute Folter und familiären Druck, noch weitere Aussagen zu erpressen. Hansen wurde dann am 8. September 1944 um 16.45 Uhr in Plötzensee durch Strangulation mit einer Drahtschlinge, in Sträflingskleidung, zusammen mit Ulrich von HassellPaul Lejeune-JungJosef WirmerUlrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld und Günther Smend getötet.

Gegenüber der Familie Hansen folgte die Sippenhaft. Das Vermögen wurde eingezogen, die Ehefrau verhaftet und die fünf Kinder wurden in ein Kinderheim bei Bad Sachsa verbracht, wo es nicht erlaubt war, den Familiennamen zu führen. Im gleichen Heim befanden sich auch die Kinder anderer Widerstandskämpfer wie die Stauffenbergs und von Witzlebens. Ende September 1944 erst durften die Kinder wieder zu ihrer inzwischen freigelassenen Mutter nach Michelau.

Die Anfeindungen gegen die Familie gingen auch nach dem Ende des Krieges weiter. Hansens Witwe musste ihre Rente als Kriegerwitwe von der Bundesrepublik in einem jahrelangen Prozess vor Gericht erkämpfen. Sie war ihr verweigert worden mit der Begründung, dass ihr Mann unehrenhaft aus der Wehrmacht entlassen worden war.

Quelle: Wikipedia)

Foto: Stefan Brending

Sein Sohn, Dr. Karsten Hansen aus Itzehoe, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte des Vaters aufzuarbeiten. Er stellt sich als Zeitzeuge Schulen zur Verfügung und forscht in alten Dokumenten und historischen Veröffentlichungen.

„Es hat lange gedauert, bis ich es als meine Aufgabe angesehen habe, das Lebensopfer des Vaters weiter zu tragen und Jugendlichen zu vermitteln“, bekennt er selbst. Den Anstoß zur Beschäftigung mit der Familiengeschichte gaben die deutsche Wiedervereinigung und die Befassung mit dem früheren Besitz der Hansens im brandenburgischen Rangsdorf nahe Berlin. Dort ließ sich die aus dem fränkischen Coburg stammende Familie 1941 nieder, als sich der Flugplatz zu einem der wichtigsten Militär- und Kurierhorste entwickelt hatte.

Weiterführende Literatur:
SPIEGEL-Artikel vom 19.07.2011 – Mein Vater, der verhasste Held

Am Dienstag, dem 18. Juni 2019, erzählt Dr. Karsten Hansen aus dem bewegten und bewegenden Leben seines Vaters. Die Veranstaltung beginnt um 19:30 Uhr im Neuen Rathaus im Doos’schen Palais in Wilster und ist – wie immer – kostenlos. Der Verein Leselust e.V. und die Stadtbücherei Wilster freuen sich auf Ihr Kommen und eine kleine Spende zur Finanzierung der Lesungen.

Anmeldungen aufgrund begrenzter Plätze bitte unter 04823/921336 / text: heike pohl

 

 

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